Blog: Schön eingepackt mit einer großen Schleife – eine etwas ungewöhnliche Vorweihnachtgeschichte

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


„Mein lieber Herr, wie hätten Sie es denn gern?“ fragt die Verkäuferin.
„Oh, wenn Sie es mir einpacken könnten, das wäre schön.“
„Ja, wie soll ich es Ihnen denn einpacken?“
„Mit buntem Papier und mit einer großen Schleife, bitte.“

Die Verkäuferin sieht den Mann ein wenig verwundert an. Er steht da wie ein kleiner Junge kurz vor Weihnachten, mit leuchtenden Augen und einem seligen Lächeln um seinen Mund. Sie beginnt sich zu fragen, was diesen Mann dazu bewegen könnte, so von innen heraus zu strahlen.
Und so fragt sie ihn scheinbar beiläufig: „Und für wen soll es denn sein, das Geschenk?“
„Das ist für mich“, antwortet ihr der Herr strahlend.

Die Verkäuferin schaut noch verwunderter. Sie sieht das Geschenk an, dann den Herrn, dann wieder das Geschenk und kommt aus dem Wundern gar nicht mehr heraus. Merkwürdig, denkt sie. Es gibt schon komische Leute.

Die Verkäuferin packt das Geschenk ein

Aber sie beginnt, das Geschenk einzupacken, wie es der Herr gewünscht hat. Irgendetwas veranlasst sie, ganz langsam einzupacken. Sie möchte mehr erfahren, sie versteht nicht, warum der Herr so strahlt und warum er sich selbst ein Geschenk machen will und das Geschenk auch noch mit buntem Papier und großer Schleife eingepackt haben möchte. So beginnt sie ganz beiläufig ein Gespräch mit ihm:

„Kaufen Sie öfter bei uns ein?“
„Nein, sagt der Herr, ich kaufe zum ersten Mal bei Ihnen ein.“
„Ja, haben Sie denn keine Enkelkinder, denen sie ab und zu etwas schenken?“
„Nein“, sagt der Herr, „ich habe keine Enkelkinder. Ich habe keine Familie, ich lebe ganz allein.“

Sie wundert sich noch mehr

Nun wundert sich die Verkäuferin noch mehr.
Ein Herr, der allein lebt, der so strahlt und sich selbst beschenken will mit einem Geschenk, das er sich groß einpacken lässt. Merkwürdig.

Es lässt ihr keine Ruhe. Während sie das Paket mit einer Schleife verziert, fragt sie: „Haben Sie Geburtstag?“
„Nein“, sagt der Herr strahlend, „mein Geburtstag war vor einem halben Jahr.“

Nun hält es die Verkäuferin nicht mehr und entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit fragt sie den Herrn geradeheraus. „Ja, warum wollen Sie sich denn dann ein Geschenk machen? Haben Sie einen neuen Job oder haben Sie im Lotto gewonnen?“

So einfach ist es ...

„Nein“, sagt der Herr. „Nichts von alledem trifft zu. Nach normalen Maßstäben habe ich keinen Grund, mir selbst etwas zum Geschenk zu  machen. Aber mir ist klar geworden, dass ich es verdient habe, mich selbst zu beschenken. Mir ist klar geworden, dass es an mir liegt, wie ich mich selbst behandle und wie ich mit mir selbst umgehe.

Ich kann mich selbst nachlässig behandeln und ich kann mich selbst liebevoll behandeln, ich kann mich niedermachen und ich kann mir selbst huldigen. Ich kann mir selbst Ehrerbietung entgegenbringen. Ich selbst entscheide, wie ich mit mir selbst umgehe.

Und ich will mich liebevoll behandeln. Und daran soll der Teddy mich jeden Tag erinnern.“

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