Blog: Deine Wahrnehmung stimmt – doch vertraust du ihr?

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Kennst du das? Du hast ein ganz klares Gefühl, doch du äußerst es nicht. Du spürst, dass etwas nicht stimmt, nicht stimmig ist, und du wartest darauf, dass der oder die andere das merkt.

Doch du hast den Eindruck, dass das nicht geschieht, dass der oder die andere die Unstimmigkeit nicht spürt, z.B. die im Raum stehende, verdeckte Manipulation.
Also äußerst du sehr vorsichtig, was du spürst. Und bekommst Gegenwind. Der andere glaubt dir nicht, versteht dich nicht, entkräftet dein Argument. Und du fühlst dich nicht gehört, nicht verstanden.

Die Frage ist:

Stehst du wirklich zu dem, was du wahrnimmst?

Stehst du zu dem, was du wahrnimmst? Vertraust du deiner Wahrnehmung? Oder lässt du dich schnell verunsichern?

Oft ist es nur ein mehr oder weniger klares Gefühl in unserem Körper, der uns über dieses Gefühl deutlich signalisiert, dass etwas nicht stimmt oder nicht wahrhaftig oder authentisch ist. Und wenn wir lange geübt haben, unsere klaren Impulse zu ignorieren oder gar zu unterdrücken, nehmen wir sie immer weniger deutlich wahr.

Unsere Wahrnehmung war für andere bedrohlich

Als Kinder nehmen wir noch ungefiltert war, so wie warm und kalt, hell und dunkel, wahrhaftig und nicht wahrhaftig. Doch dann machen wir die Erfahrung, dass unsere Wahrnehmung nicht unbedingt mit der Wahrnehmung oder mit dem Verhaltenscode der Erwachsenen übereinstimmt.

Wir nehmen vielleicht eine Traurigkeit oder einen tiefen Schmerz bei einem Familienmitglied wahr, aber dieses Familienmitglied versucht, diesen Schmerz vor anderen zu verbergen, so dass sein Schmerz nicht sichtbar wird.

Oder wir spüren eine große Wut, vielleicht sogar Hass bei jemandem, doch da das oft „verbotene“ Gefühle waren (und sind), durften diese auch nicht wirklich sichtbar werden und damit auch nicht wahrgenommen werden.

So haben wir gelernt, unsere klaren Impulse zu unterdrücken, bzw. unserer Wahrnehmung weniger Beachtung zu schenken.

Wir haben gelernt: Kopf vor Bauch

Wir haben immer mehr gelernt, die Dinge, Zusammenhänge, Situationen mit dem Verstand zu erfassen, mit dem Verstand Entscheidungen zu treffen - oft genug gegen unser Bauchgefühl, gegen unsere klare Wahrnehmung.

Denn wir machen in einer vernunftbetonten, verstandesbetonten Umgebung die Erfahrung, dass man schnell belächelt, bzw. nicht ernst genommen wird, wenn man aus dem Bauchgefühl lebt und handelt. Oder dass wir sogar angefeindet werden.

So haben wir begonnen, viele Dinge zu tun, die uns nicht wirklich entsprechen. Und mit der Zeit ist es für uns zur Gewohnheit geworden, unsere Wahrnehmung mehr oder weniger zu übergehen.
Ganz nebenbei bemerkt kostet uns das viel Kraft.

Doch wir leben in einer Zeit, in der Authentizität immer wichtiger für uns wird.

Deine Wahrnehmung stimmt

Ja, deine Wahrnehmung stimmt. Sie hat immer gestimmt, denn dein Körper ist ein sehr feiner Seismograph.

Jetzt geht es darum, dieser Wahrnehmung wieder zu vertrauen. Und dazu braucht es Zeit, Zeit, in Ruhe NACHZUSPÜREN, wenn du ein „komisches“ Gefühl hast. Und dir zu erlauben, dein „komisches“ Gefühl zu benennen, es einfach zum Ausdruck zu bringen.

Wie geht es dir bei dieser Aussage? Sagt alles in dir „JAAA“ oder kommt eher so Gefühl von „Naja, so einfach äußern, dass ich ein komisches Gefühl habe?“

Gerade Frauen, denen in der Regel die Wahrnehmung weniger abtrainiert wurde, haben oft das Gefühl, sie müssten erst eine gute Begründung finden, bevor sie eine Wahrnehmung äußern.

Eine Begründung kann aber widerlegt werden. Ein Gefühl kann man dir nicht absprechen.

Kaum stehst du zu deiner Wahrnehmung, wird sie ernstgenommen! ;-) *

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass meine Wahrnehmung selbstverständlich ernstgenommen wird, wenn ich ganz klar zu dem stehe, was ich wahrnehme.

Die Schwierigkeit ist nur, wirklich nur meine Wahrnehmung zu äußern, ohne sie zu interpretieren.

Gerade bei Themen, die für uns herausfordernd sind, sind wir versucht, die Wahrnehmung zu unseren Gunsten zu interpretieren. Doch damit geraten wir selbst schnell in den Bereich der Manipulation. (Und tun uns damit selbst nicht gut.)

Wir dürfen also üben, unsere Wahrnehmung möglichst neutral zu äußern. Denn damit wird es für andere leichter, sich auf unsere Wahrnehmung einzulassen, sie ernst zu nehmen.

Wenn wir gleich in die Interpretation gehen und unbewusst in den Bereich der Manipulation geraten, wird der andere das sehr schnell spüren und unsere Wahrnehmung ablehnen – mit gutem Grund.

So lernen wir miteinander, immer authentischer zu werden …

* (Wie bei dem bekannten Computerspruch: Kaum macht man es richtig, schon geht's!)

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