Blog: Das Gute im Anderen sehen – und Frieden in mir ernten

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Wir sind angehalten worden, das Gute im Menschen zu sehen, Menschen nicht zu verurteilen, sondern Mitgefühl walten zu lassen. Das sind die christlichen Werte unserer Kultur.

Nur vergessen wir meist dabei, diese Werte auch auf uns anzuwenden. Denn wo begegnen wir uns wirklich mit Mitgefühl? Wo können wir anerkennen, dass wir aus gutem Grund Dinge tun, auch wenn sie schieflaufen? Wo können wir uns selbst als „gut“ sehen, als heil und in Ordnung.

Was, wenn ich verletzt werde?

Wenn andere nett und freundlich zu mir sind, fällt es mir ziemlich leicht, das „Gute“ in ihnen zu sehen. Doch wenn sie mir auf die Füße treten, „Altlasten“ in mir aktivieren, dann fällt es mir nicht leicht, das „Gute“ in ihnen zu sehen. Dann bin ich sauer und verletzt und neige dazu, den anderen innerlich als blöde Kuh oder ähnliches zu betiteln.

Damit verschließe ich mich, ich mache dicht. Dann kann der Andere mich nicht mehr erreichen, selbst wenn er will. Aber dann kann ich mich selbst auch nicht mehr erreichen, ich kann dann nicht mehr wirklich in Verbindung mit meinem Herzen kommen. Und damit verschließe ich mich auch der Liebe meines Herzens.

Was kann ich in so einem Fall tun?

Zunächst einmal entscheide ich, nicht von anderen zu erwarten, dass sie mich „retten“, sondern mich mir selbst zuzuwenden, mir selbst Mitgefühl zu geben, meinen Gefühlen Raum zu geben, sie mir zu erlauben.

Dabei hilft mir mein Atem, den ich ganz bewusst wahrnehme, während ich mir vorstelle, dass mein Atem alle alten Energien in mir sanft durchströmt und sie löst. So kann sich alter Schmerz lösen.

Verbindung statt Urteil

Und wenn es mir dann gelingt, das „Gute“ im Anderen zu sehen, dann komme ich aus meiner Verurteilungshaltung heraus. Wenn ich ur-teile, teile oder trenne ich mich ab. Ich kann dann nicht in Verbindung sein – weder wirklich mit mir selbst noch mit dem anderen.

Ich stelle mir den lichten, hellen, heilen Teil im Anderen vor, man könnte auch sagen, den göttlichen Teil, der immer heil und „gut“ ist. Wenn mir das gelingt, zeigt sich sofort ein Lächeln auf meinem Gesicht, und etwas in mir entspannt sich augenblicklich.

Eine andere Ebene

Denn diesem hellen, lichten Teil im Anderen kann ich keine böse Absicht unterstellen, keine Gemeinheit oder Niederträchtigkeit. Und so kann sich mein Verstand nicht an seiner beschränkten Sicht der Dinge festbeißen. Ich kann sozusagen mehr sehen als ich normalerweise als Mensch sehe, ich begebe mich energetisch auf eine andere Ebene.

Wenn mir das gelingt, bin ich sofort im Frieden in mir. Mein Herz geht auf und die Liebe beginnt zu fließen. Wenn dann mein Verstand wieder die Oberhand gewinnt – und er ist gut trainiert ;-) – wird es wieder eng in mir und nicht unbedingt friedlich.

Übung macht den Meister

Dann beginne ich von vorn, und jedes Mal geht es ein wenig leichter und schneller.

Es ist wie ein Training, das neue Bahnungen in meinem Gehirn schafft, die die Autobahnen der alten, antrainierten Verhaltensweisen des vermeintlichen Schutzes durch Abwehr mehr und mehr ersetzen.

Das heißt, dass meine Gefühle immer mehr die Erlaubnis bekommen, zu sein, und der Andere ebenfalls einfach sein kann, wie er ist – und mir letztlich dient – als Übungsfeld sozusagen.

Denn je mehr ich mit mir selbst Mitgefühl und Wertschätzung leben kann, desto mehr zeigt mir das Außen die entsprechende Resonanz.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – alles beginnt bei uns selbst, auch wenn das manchmal sehr unbequem scheint. ;-)

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